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Ich weiss nicht, ob und wie ihr euren Geburtstag feiert. Ich hatte im letzten Monat meinen und ich habe mich gefeiert. Aber nicht mit einer großen Party. Dafür hätte ich gar keine Zeit gehabt, denn ich hatte an dem Tag einen Termin nach dem anderen.

 

Das war nicht schlimm, denn viel wichtiger als eine aufwändige Feier ist es, dass ihr euch selbst gewahr seid an diesem Tag. Wie fühlt sich das für euch an, das Geburtstag-Haben? Seid ihr noch auf Kurs? Fühlt sich dass alles noch richtig an? So habe ich es für mich gemacht und habe den Tag genossen.

 

Dieses Feiern, was so zur Schau getragen wird, ist eh nicht so meines. Ich denke mir immer: Eigentlich sollten wir nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Eltern an diesem Tag feiern. Die haben es vollbracht, das wir hier sind.
Doch ganz viele nutzen diesen Tag für etwas anderes …

 

Sooooo viele Erwartungen

Ich beobachte, dass es denen, die die ganz grossen Feste ausrichten, meist mehr um ihr Selbstwertgefühl geht, als um die Freude daran. Sie empfinden es als Würdigung, wenn viele kommen. Das erzeugt viele Erwartungen: an den, der einlädt, genauso wie an die, die eingeladen sind.

 

Deshalb arten diese Veranstaltungen auch so in Stress aus: Wen lädt man ein? Wen nicht? Wie soll die Party aussehen, damit sie möglichst viel hermacht? Da wird das Geburtstagskind schnell vom Herrn zum Diener an diesem Tag. Und es ist für alle anstrengend, den Erwartungen gerecht zu werden.

 

Das ist nicht so meins, deshalb lade ich nie Gäste ein. Ich schaue einfach, was sich ergibt. Diesmal hatten wir spontan mit Kollegen abgemacht. Die haben zufällig ganz kurz vor mir ihren Geburtstag. Also sind wir essen gegangen, haben über Gott und die Welt philosophiert und uns gefeiert. Es war wunderbar, denn so haben wir nicht diesen einen Tag, sondern unsere Freundschaft, unsere gemeinsamen Idee und ganz einfach unser Zusammensein gefeiert.

 

So sollte in meinen Augen ein Fest auch sein: Gewinnbringend für alle, indem es dafür sorgt, dass Menschen sich begegnen können. So wie bei der Geburtstagsfeier für einen 82jährigen, von der „apropos Geburi‘s“ mir kürzlich seine Tochter erzählte.

 

Was für ein Palaver

Seine Frau hatte ohne sein Wissen die ganze Gang aus seiner Jugend angerufen und eingeladen. Der Tag war für ihn wie eine Zeitreise: Seine frühestens Freunde kamen ganz früh, die, die in seinem hohen Alter heute noch um ihn sind, kamen gegen Abend. Irgendwann hockten alle um den Küchentisch herum und palaverten.

 

„Palavern“ meine ich nicht abwertend. Im Gegenteil: Es kamen sehr intensive Themen auf den Tisch. Aber sie wurden mit einer gewissen Leichtigkeit des Seins besprochen.

 

So ein Abend hat etwas rituelles, etwas archetypisches. Kennt ihr das Phänomen, dass die besten Partys sich in der Küche abspielen? Genau so war das.

 

Ich erinnere mich noch gut an die vielen Küchenpalaver, die wir vor 30 Jahren hatten. Damals sassen wir auf Bierkisten und anderen improvisierten Sitzmöbeln dicht gedrängt um einen wackeligen Tisch und redeten die halbe Nacht. Manchmal war auch einfach Schweigen. Vielleicht kennt ihr dieses dialogische Schweigen, bei dem sich alle wohlfühlen und keiner verzweifelt versucht, irgendetwas zu sagen, nur weil er die Stille nicht aushält.

 

Klopft an!

Für solche Abende braucht es eigentlich keinen Geburtstag als Anlass. Aber der Termin ist ein schöner Reminder, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die Verbindung wieder aufzufrischen oder neu anzuknüpfen. Deshalb grämt euch nicht, falls der ein oder andere sich nicht mal zu eurem Geburtstag meldet. Dreht die Sache lieber um. Sagt euch selbst: „Aha, die ausbleibenden Glückwünsche sind mir aufgefallen. Offensichtlich ist mir der Mensch wichtig. Also melde ich mich doch bei ihm.“ Ich wette, dass der andere sich freut, wenn ihr anklopft.

 

Ich wünsche euch gaaaaaanz viele inspirierende Küchenpalaver!

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