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Präsenz, Klarheit, gepaart mit einer nonchalanten Stärke und einer fast körperlich spürbaren Durchsetzungsfähigkeit – eine Beschreibung, die von der Gesellschaft für gewöhnlich eher mit Männern und Maskulinität verbunden wird. Ich rede hier aber von Frauen wie Michelle Obama, Ashley Graham, Nancy Pelosi oder Ellen DeGeneres. Starke, präsente und durchsetzungsfähige Frauen, die ihren Raum in der Welt beanspruchen. Die sich ihrer „Role Model“-Funktion ganz und gar bewusst sind. 

Eine von ihnen, Nancy Pelosi, wurde diesen Januar bereits zum zweiten Mal zur Sprecherin des US-Repräsentantenhauses gewählt. Sie ist damit die drittmächtigste Person der USA. Eine andere, Marianne Williamson, könnte bald sogar die Präsidentin und damit mächtigste Frau der Vereinigten Staaten werden – und wäre nach 45 Amtszeiten das erste weibliche Oberhaupt der USA.

Grund genug, diese Ladies zu feiern, könntet ihr meinen. Sie haben schließlich einiges erreicht! Nun …

 

Starke Frauen sind (k)ein Trend

Eine präsente und durchsetzungsfähige Frau zu sein ist in Mode – ich wette, auch auf eurem Facebook-Feed tauchen immer mehr davon auf und auf eurer Leseliste steht mindestens eine Biografie einer erfolgreichen Frau.

Starke Frauen werden in der Welt immer sichtbarer. Sie tauchen immer häufiger auch in Branchen auf, die bisher von Männern dominiert wurden und finden immer mehr Gehör bei den Medien und der Gesellschaft. Aber starke Frauen gibt es nicht nur unter den Prominenten, auch außerhalb des Rampenlichts wächst die Zahl der Frauen, die die Rolle der Leitfigur für sich beanspruchen. 

Aber Moment mal – das erweckt fast den Eindruck, als wären mehr Frauen stark und präsent, weil es gerade „in“ und cool ist?! Weil sie ihren prominenten Vorbildern nacheifern wollen oder keinen Trend verpassen möchten. Den „Trend“ hin zu Frauen, die sich nicht mehr zurücknehmen, die den Raum ausfüllen und auch in High Heels mühelos aufs Parkett gehen. 

Für mich ist das aber gar kein Trend – es ist eine Selbstverständlichkeit. Und es zeigt, dass auf dem internationalen Parkett ein Wandel im Gange ist.

 

Von wegen selbstverständlich

Selbstverständlich? Im Jahr 2017 waren noch nicht mal ein Drittel der Führungspositionen in Deutschland von Frauen besetzt! Anderswo auf der Welt, zum Beispiel hier in der Schweiz, haben Frauen erst seit 1972 überhaupt das Recht, in der Politik mitzubestimmen. In Saudi-Arabien ist es noch schlimmer: Die Frauen können nur davon träumen, eine Führungsposition zu haben. Dort wurde im Jahr 2018 zwar auch ein grosser Durchbruch für die Frauen erzielt – dieser bestand aber nur darin, dass Frauen nun auch ohne die Zustimmung oder Anwesenheit ihres Ehemanns Auto fahren dürfen.

Nichtsdestotrotz, ich glaube, dass unsere Gesellschaft auf einem guten Weg ist. Frauen verschaffen sich immer mehr Gehör und realisieren die Stärke, die sie haben. In Lettland, dem EU-Vorreiter auf diesem Gebiet, sind bereits rund die Hälfte der Führungspositionen mit Frauen besetzt, obwohl es noch nicht mal eine Frauenquote gibt.

 

Die Relevanz des Geschlechts

Die Kandidatur von Marianne Williamson halte ich daher auch für ein positives und zukunftsweisendes Zeichen: Ein Bewusstseinswandel findet statt. Es geht nicht mehr um Gender-Blabla, sondern um den Menschen. Denn heute zählt, welche Entwicklung ihr persönlich schon durchlaufen habt, ob und wie ihr an euch arbeitet und welche Fähigkeiten ihr besitzt. 

Daher sollte es auch niemanden weiter interessieren, welchem Geschlecht Frau Williamson angehört – denn das sagt rein gar nichts über ihre Qualifikation für dieses Amt aus.

Noch werden starke Frauen also von den Medien gefeiert und herausgestellt. Und versteht mich nicht falsch, ich finde das toll! Es wurde so langsam mal Zeit. Aber eigentlich solltet ihr starke Frauen nicht feiern – sondern starke Menschen per se.

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